2 HIV/AIDS Taschenlexikon

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XDR-TB: Abk. für (engl.) extensively drug-resistant tubcerculosis; Tuberkulose durch Mykobakterien, die gegen Isoniazid und Rifampicin (Tuberkulostatika der 1. Wahl) sowie zusätzlich gegen alle Fluorochinolone und mindestens ein injizierbares Tuberkulostatikum der 2. Wahl (Capreomycin, Kanamycin, Amikacin) resistent sind; ursächlich ist wie bei MDR-TB häufig eine vorangegangene inadäquate Behandlung; die Übertragung extrem resistenter Mykobakterien ist möglich; eine Therapie ist nur in einem Teil der Fälle erfolgreich.

Xerodermie: Fachbez. für (sehr) trockene Haut; bei einer HIV-Infektion Vorkommen in etwa 30%, evtl. mit Juckreiz, Schuppenbildung und Überempfindlichkeit. Behandlung mit Hautpflegemitteln, Pantothensäurederivaten (Dexpanthenol) und Ölbädern.

Xerophthalmie: Fachbez. für ausgeprägte Trockenheit der Augen, Vorkommen z.B. als Keratoconjunctivitis sicca.

Xerosis: Fachbez. für abnorme Trockenheit oberflächlicher Gewebe, Organe oder Strukturen.

Xerostomie: Fachbez. für stark ausgeprägte Mundtrockenheit; Vorkommen u.a. bei verringerter Speichelproduktion, allgemeinem Flüssigkeitsverlust (z.B. infolge schwerer Durchfälle), bei Infektions- oder Autoimmunkrankheiten.

X4-Viren: Bez. für HIV, das den Chemokinrezeptor CXCR4 beim Eindringen in Zellen verwendet; vgl. Tropismus.

Yersiniosen: durch Bakterien der Gattung Yersinia (z.B. Yersinia pseudotuberculosis) verursachte Infektionen, die zu Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts (Gastroenterokolitis), Lymphknotenentzündungen (sog. Pseudotuberkulose) und Gelenkentzündungen (Arthritis) führen können. Therapie mit Antibiotika.

Zalcitabin: auch Dideoxycytidin, Abk. ddC, früherer Handelsname HIVID; 2006 vom Markt genommenes antiretrovirales Arzneimittel (Nukleosidanalogon) zur Kombinationstherapie einer HIV-Infektion.

ZDV: Abk. für Zidovudin.

Zellatypie: Sammelbezeichnung für alle an oder in Zellen vorkommende Abweichungen von ihrer normalen Form und Struktur; in der mikroskopischen Diagnostik von Gewebeproben ist die Beurteilung von Zellatypien v.a. für die Unterscheidung von malignen und benignen Veränderungen bedeutsam; vgl. Zytologie.

zellulär: Zellen betreffend, durch Zellen vermittelt.

Zenit: sog. Scheitelpunkt; als Bez. für den individuell höchsten gemessenen Wert der Viruslast verwendet.

Zentralnervensystem: Abk. ZNS; Fachbez. für die in Schädel und Wirbelkanal liegenden Anteile des Nervensystems mit Gehirn, Hirnhäuten und Rückenmark.

zerebral: das Großhirn (lat. cerebrum) betreffend, vom Großhirn ausgehend.

zerebraler Krampfanfall: allgemeine Bez. für unwillkürliche, nicht kontrollierbare Muskelkontraktionen, die infolge krankhafter Veränderungen des Gehirns auftreten, z.B. bei Infektionen, Tumorerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Einwirkung toxischer Substanzen.

Zerit: Handelsname für Stavudin.

zervikale intraepitheliale Neoplasie: s. CIN.

Zervixdysplasie: Gewebeveränderungen im Plattenepithel des Gebärmutterhalses als sog. zervikale intraepitheliale Neoplasie, s. CIN.

Zervixkarzinom: Gebärmutterhalskrebs; maligner Tumor des Gebärmutterhalses, dem stets symptomlose Vorstadien (Zervixdysplasie, CIN) vorausgehen; bei Carcinoma in situ und Karzinom sind fast immer humane Papillomaviren Typ 16, 18, 31 und 45 nachweisbar. Bei HIV-Infektion werden ein wesentlich häufigeres Vorkommen und bei ausgeprägter Immunschwäche ein rascherer Verlauf beobachtet. Beschwerden und Symptome (unregelmäßige Blutungen, Ausfluß) treten erst spät auf; eine Frühererkennung pathologischer Veränderungen durch regelmäßiges (mindestens einmal jährliches) Screening ist daher empfehlenswert. Diagnose durch zytodiagnostische Untersuchung von Abstrich oder Gewebeproben; Therapie in frühem Stadium durch Konisation, in allen übrigen Stadien Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) und evtl. Entfernung regionaler Lymphknoten, ggf. Strahlentherapie.

Ziagen: Handelsname für Abacavir.

Zidovudin: Abk. ZDV, frühere Bez. Azidothymidin, Handelsname Retrovir; antiretroviral wirksames Arzneimittel (Nukleosidanalogon) zur Kombinationstherapie einer HIV-Infektion. UAW: u.a. Anämie, Leukozytopenie, mitochondriale Toxizität, Übelkeit, Kopfschmerz, seltener Laktatazidose, Muskelerkrankungen.

Zinkfinger: am Nukleokapsid von HIV lokalisierte chemische Struktur aus Aminosäuren, die durch Bindung eines Zink-Ions aktiviert wird; Funktionen sind u.a. eine Stabilisierung der HIV-RNA bei der reversen Transkription von RNA zu DNA. Zinkfingerinhibitoren zur Hemmung der Replikation von HIV und antiretroviralen Therapie werden in Studien untersucht.

zirkulierende Immunkomplexe: lösliche Immunkomplexe.

Zirkumzision: Beschneidung; Bez. für einen chirurgischen Eingriff, bei dem die Vorhaut des Penis durch einen zirkulären Schnitt abgetrennt wird; eine rituelle Zirkumzision wird in vielen Kulturen durchgeführt, u.a. in west- und südafrikanischen Ländern, wo in epidemiologischen Studien eine damit einhergehende Verringerung des Risikos einer HIV-Infektion für heterosexuelle Männer beobachtet wurde. Ob eine Zirkumzision bei Männern, die Sex mit Männern haben, das Risiko von HIV-Infektionen reduziert, wird in Studien untersucht.

ZNS: Abk. für Zentralnervensystem.

Zoster: Gürtelrose; nach meist jahrelang zurückliegender Infektion mit humanem Herpesvirus Typ 3 (HHV-3, Varicella-zoster-Virus) und Windpockenerkrankung (Varizellen) auftretende Reaktivierung von HHV-3, häufiger bei älteren und immungeschwächten Menschen. Vorkommen als sog. Herpes zoster mit halbseitigen, papulösen Hautveränderungen im Versorgungsgebiet eines Haut- oder Hirnnervs mit starken, brennenden Schmerzen; als Zoster ophthalmicus wird eine Augenbeteiligung mit Konjunktivitis, Keratitis und evtl. Retinitis, als Zoster oticus eine Beteiligung von Ohrmuschel, äußerem Gehörgang oder Innenohr bezeichnet. Eine spontane Abheilung nach etwa 2-3 Wochen ist möglich, Rezidive sind häufig. Als Komplikationen kann es zu Blutungen, Ulzerationen oder Nekrosen kommen, bei Immunschwäche häufiger zu einem Zoster generalisatus mit schwerem, generalisierten Verlauf, Beteiligung mehrerer Hautsegmente und innerer Organe; die Schmerzen können als sog. postherpetische Neuralgie auch nach Abklingen der Hauterscheinungen fortbestehen. Therapie mit Virostatika, z.B. Famciclovir, Aciclovir, Valaciclovir, Brivudin; Schmerzbehandlung entsprechend dem Bedarf des Patienten z.B. mit Tramadol, Tilidin/Naloxon, Carbamazepin, Gabapentin oder Lokalanästhesie. Prophylaxe durch Schutzimpfung gegen Windpocken.

Zuckerkrankheit: umgangssprachliche Bez. für Diabetes mellitus.

Zugang zu experimentellen Medikamenten: Zugang zu noch nicht zugelassenen, in klinischen Studien befindlichen Medikamenten, der erforderlich und angemessen sein kann, wenn eine lebensbedrohliche oder zu schwerer Behinderung führende Krankheit mit zugelassenen Arzneimitteln nicht wirksam behandelbar ist und fortschreitet. Zugangsmöglichkeiten und Verfahren werden in verschiedenen Ländern unterschiedlich gehandhabt; im einzelnen besteht evtl. die Möglichkeit der Teilnahme an klinischen Studien, Expanded-Access-, Named-Patient- oder Compassionate-Use-Programmen; für Deutschland ist der Zugang zu experimentellen Medikamenten im Arzneimittelgesetz geregelt.

Zwangstest: umgangssprachliche Bez. für obligatorische Untersuchungen (einschließlich Blutentnahmen), die ggf. im Rahmen der Bekämpfung übertragbarer Krankheiten auf Grundlage gesetzlicher Bestimmungen (Infektionsschutzgesetz) erfolgen können, obwohl damit Einschränkungen persönlicher Freiheitsrechte verbunden sind; ebenfalls Kurzbez. für die in manchen (Bundes-)Ländern z.B. im Rahmen von Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen vorgeschriebenen HIV-Antikörpertests.

Zwei-Spektren-Absorptiometrie: sog. dual energy X-ray absorptiometry, DEXA.

Zweitinfektion: s. Sekundärinfektion.

Zytochrom: sog. Atmungsfermente, Abk. CYP; eisenhaltige intrazelluläre Enzyme, die u.a. an der biologischen Oxidation (Atmungskette) beteiligt sind. Das Zytochrom P 450 (CYP450) existiert in mehr als 20 Formen (u.a. CYP3A4); neben Beteiligungen an biochemischen Vorgängen (Oxidation, Steroidbiosynthese) ist es von wesentlicher Bedeutung für die Verstoffwechselung von Arzneimitteln; seine Hemmung oder Verstärkung senken oder erhöhen Plasmaspiegel und Halbwertszeiten von Arzneimitteln so, daß Dosisanpassungen erforderlich werden können.

Zytokine: körpereigene Botenstoffe (Proteine) mit regulierenden Funktionen auf Körperzellen, die v.a. deren Wachstum und Differenzierung beeinflussen oder im Rahmen einer Immunantwort freigesetzt werden; Einteilung in fünf Hauptgruppen: 1. Interferone; 2. Interleukine; 3. koloniestimulierende Faktoren, CSF; 4. Tumor-Nekrose-Faktoren; 5. Chemokine.

Zytologie: Lehre vom Bau und den Funktionen der Zelle; auch Bez. für Zytodiagnostik mit mikroskopischen Untersuchungen von Zellen aus Gewebeproben oder Körperflüssigkeiten.

Zytomegalie: Infektion mit humanem Herpesvirus Typ 5 (HHV-5, Zytomegalievirus, CMV); klinisch sind sehr unterschiedliche Verlaufsformen möglich, z.B. als sog. CMV-Mononukleose mit unspezifischen Allgemeinsymptomen, Leber- und Milzvergrößerung und oft folgenloser Abheilung; die Infektion bleibt aber bestehen; bei HIV-Infektion und Immunschwäche nach Reaktivierung einer früheren Infektion meist schwerer Verlauf mit Manifestationen an verschiedenen Organen: am Auge mit Netzhautentzündung (Retinitis), am Gastrointestinaltrakt mit Speiseröhren- oder Darmentzündungen (Ösophagitis, Kolitis), Lungenentzündung oder Gehirnentzündung (Enzephalitis), die z.T. AIDS-definierende Erkrankungen sind. Im Rahmen eines Immunrekonstitutionssyndroms kann es zu sehr schweren Verläufen einer CMV-Retinitis mit Beteiligung weiterer Augenabschnitte kommen. Für die Diagnose sind klinische Befunde wegweisend (z.B. Augenspiegelung, Endoskopie), gestützt von serologischen und virologischen Befunden (u.a. Nachweis von pp65-Matrixprotein, CMV-spezifischen Antikörpern, Erregernachweis mittels CMV-Polymerasekettenreaktion oder Anzüchtung). Therapie z.B. mit Valganciclovir, Foscarnet, Ganciclovir, Fomivirsen oder Cidofovir. Impfstoffe werden z.Z. in Studien untersucht. Eine medikamentöse Primärprophylaxe wird bei einer ausgeprägten Immunschwäche und weniger als 50 CD4-Zellen/µl empfohlen, zur Vermeidung von Rezidiven eine Sekundärprophylaxe; wichtig ist ebenfalls eine wirksame antiretrovirale Therapie zur Verbesserung des Immunstatus.

Zytomegalievirus: humanes Herpesvirus Typ 5 (HHV-5), Erreger der Zytomegalie.

Zytostatika: Substanzen, die die Teilung und Vermehrung von Körperzellen durch unterschiedliche Wirkmechanismen verhindern oder erheblich verzögern, z.B. Antimetaboliten, Alkylanzien, Mitosehemmer, zytostatisch wirksame Antibiotika; Verwendung als Arzneimittel in der Tumorbehandlung. UAW: u.a. Schädigung insbesondere der rasch wachsenden Zellen und Gewebe mit Störungen von Blutbildung, Schädigungen von Haut- und Schleimhäuten und Keimzellen (Gonaden).

zytotoxisch: bezeichnet die giftige Wirkung von Substanzen oder Arzneimitteln auf Zellen.

zytotoxische T-Lymphozyten: Abk. CTL; im Blut zirkulierende T-Lymphozyten, die veränderte Körperzellen (z.B. Tumorzellen, virusinfizierte Zellen) zerstören, indem sie einen programmierten Zelltod (Apoptose) einleiten; die Zellen werden anhand der bei einer Antigenpräsentation entstandenen HLA-Moleküle oder mit Hilfe des T-Zell-Rezeptors erkannt; die Aktivierung von CTL erfolgt durch CD4-Zellen und wird durch Zytokine (Interleukin 2, Interferon gamma) gesteigert. Bei einer HIV-Infektion haben zytotoxische T-Lymphozyten zunächst eine Schutzwirkung und eine ausgeprägte CTL-Antwort ist mit einer Unterdrückung der Virusvermehrung assoziiert; ungeklärt ist, warum dieser protektive Effekt im Verlauf der Infektion nachläßt und sog. Escape-Mutanten auftreten. In der Entwicklung von Impfstoffen wird u.a. versucht, eine HIV-spezifische Antwort zytotoxischer T-Lymphozyten zu induzieren.


© Stephan Dressler, Berlin. Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Kein Teil des Werks darf ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Autors in irgendeiner Weise verwendet werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie Angebote auf Internetseiten oder Onlinediensten. Zuletzt aktualisiert am: 17.03.2008 http://www.aidsfinder.org/